Karbiktörn März 2003

(Bilder lassen sich durch Klicken vergößern)

Start: 08.03.2003, Prickley Bay, Grenada
Ziel:
22.03.2003, Rodney Bay, St. Lucia
Strecke:
ca. 300 SM
Schiff:
"Blue Ocean", Bénéteau Océanis 461
Eigner und Agentur: Skipperservice Münster
Skipper:
Arne
Crew :
Moni, Nadja, Katja, Michi, Patrick, Stephan, Thorsten, Andreas
Dies sind zunächst einmal Fakten. Bevor ich jedoch mit dem eigentlichen Törnbericht beginne, möchte ich den Leser darauf hinweisen, dass mein Wortschatz es nicht vermag, ein solches Erlebnis in Worte zu fassen. Selbst die Bilder können nicht das wiedergeben, was wir erlebt und an Eindrücken eingefangen haben. Diejenigen, die ihren jährlichen Pauschal-Urlaub auf Mallorca für das Größte in ihrem Leben halten, werden dies kaum verstehen, doch alle die, die bereit sind, ihren Horizont zu erweitern, oder gar schon mal auf einem Segelboot durch dieses Pardies gefahren sind, lade ich herzlich ein,mit mir zu träumen ...
1.Tag: Essen - Grenada
2.Tag: Grenada
3.Tag: Grenada
4.Tag: Grenada - Carriacou
5.Tag: Carriacou - Union Island - Palm Island
6.Tag: Palm Island - Union Island - Petit St. Vincent
7.Tag: Petit St. Vincent - Mopion - Tobago Cays
8.Tag: Tobago Cays - Mustique
9.Tag: Mustique - Bequia

10.Tag: Bequia
11.Tag: Bequia - St. Vincent
12.Tag: St. Vincent - St.Lucia (Pitons)
13.Tag: St.Lucia (Pitons - Marigot Bay)
14.Tag: St.Lucia (Marigot Bay)
15.Tag: St.Lucia (Marigot Bay - Rodney Bay)
16.Tag: St.Lucia (Rodney Bay)
Nachwort


1. Tag (Freitag,07.03.)

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Als Katja und ich am 07.03.2003 morgens um 5:00 in winterlicher Kälte am Essener Hbf stehen, wissen wir noch nicht, was uns in den kommenden 19 Tagen erwarten wird. Wir fahren mit dem ICE nach Frankfurt, um von dort nach Grenada, bekannt als die Gewürzinsel der Karibik, zu fliegen.
Die Vorfreude auf angenehme 30°C Luft und 24°C Wasser versüßen uns den fast zehnstündigen Flug. Beim Anflug auf Grenada haben wir das vor Augen, worauf wir uns schon lange gefreut haben, weiße Strände kristallklares Wasser und eine wunderschöne Landschaft.
Auf Grenada angekommen passieren wir die etwas langwierige Zollkontrolle und nehmen uns ein Taxi zur Prickley Bay, nachdem wir den Preis klar gemacht haben.
Wir wissen bisher nur, dass unsere schwimmende Herberge für die nächsten 2 Wochen "Blue Ocean" und deren Skipper Arne heißt. Der Skipperservice hat uns mit auf den Weg gegeben, dass wir von einem Restaurant in der Bucht über UKW (Kanal 69) die Yacht erreichen können.
Da wir in der Bay bedingt durch unsere winterliche Kleidung, unsere noch völlig weiße Haut und unsere suchenden Blicke auffallen, wie zwei Pinguine in der Wüste, werden wir sofort von einem Landsmann angesprochen, der zufällig auch ein Handfunkgerät dabei hat. Nach mehreren Versuchen, ertönt aus dem Gerät endlich ein "Hier ist die Blue Ocean, bitte sprechen Sie ..."
Arne, unser Skipper, kommt mit dem Dinghy an Land, um uns abzuholen.
Endlich, wir sind an Bord, und diese Bénéteau-Yacht wird in den kommenden 2 Wochen unser zu Hause sein. Wir beziehen unsere enge Bug-Kajüte. Es ist unser erster Segeltörn, und wir können uns anfangs nicht so recht mit der Enge anfreunden. Neben einem schmalen Regal und einem koffergroßen Wandschrank reicht der Platz gerade für 2 liegende und eine stehende Person. Nunja, kein Problem also, da wir ohnehin nicht vorhaben, eine dritte Person mit in die Kajüte zu nehmen.
Nachdem wir mit Arne unser erstes Carib-Bier getrunken haben, macht sich dieser daran uns von den restlichen Vorräten der Vorgänger-Crew etwas leckeres zu Essen zu machen.
Wir genießen den Sonnenuntergang und setzen über an Land, wo heute eine Calypso-Band spielt. Nach zwei Bieren überkommt uns langsam die Müdigkeit. Wir sind nun mehr als 25 Stunden ohne Schlaf. Somit wird es höchste Zeit, in die Koje zu hüpfen. Während die Musik noch zu uns herüberdringt, versinken wir in süße Träume ....

2. Tag (Samstag,08.03.)

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 Bedingt durch den Jetlag sind wir schon bei Sonnenaufgang wach. Während Arne noch schläft, schleichen wir uns an Deck und sehen zu, wie die Sonne die Bucht in ein fantastisches Licht taucht. Da die übrigen Crew-Mitglieder heute im Laufe des Tages eintrudeln werden, genießen wir nochmal die "Ruhe zu zweit". Nachdem Arne uns zum Frühstück die leckersten Pancakes gemacht hat, die man in der ganzen Karibik bekommen kann, kümmern wir uns um die Küche. Da wie bei fast jedem Segeltörn die Crew für's Einkaufen zuständig ist, machen wir schon mal eine Liste fertig. Arne unterstützt uns hierbei tatkräftig. 100 Liter Trinkwasser, fast ebensoviel Bier und Nutella stehen ganz oben auf der Liste.
Es ergeben sich enorme Stückzahlen und Mengen. Bedenkt man, dass neun Personen hiermit einige Tage auskommen müssen, so ist das allerdings verständlich.
Da wir bisher nichts über die übrigen Crew-Mitglieder wissen, haben uns immer leise Zweifel beschlichen, ob wir denn wohl alle so miteinander für zwei Wochen auf engem Raum klar kommen würden. Die ersten Zweifel legen sich, als im Laufe des Vormittages Nadine und Stephan an Bord kommen. Die beiden sind uns direkt sympathisch. Kaum haben sie ihre Kojen bezogen, machen wir uns mit dem Taxi auf den Weg zum nächsten Supermarkt. Jeder von uns bestückt sich mit einem Einkaufswagen. Es ist eine echte Herausforderung, die Einkaufsliste abzuarbeiten. Wir versuchen zum möglichst günstigsten Preis die beste Qualität zu bekommen, doch der Supermarkt hält für uns nicht alles bereit, was auf dem Zettel steht. Beim Wein gibt es ein kleine Diskussion. Da sich Nadine und Stephan jedoch sehr gut auf diesem Gebiet auskennen, treffen sie die Auswahl.
Am Ende schiebt jeder von uns einen vollen Einkaufswagen vor sich her. Hinzu kommen noch die 100 Liter Trinkwasser, die das nette Personal für uns noch aus dem Lager herangeschafft hat.
Da unser Taxi noch nicht wieder da ist, schlürfen wir uns schon mal ein lauwarmes Carib-Bier auf dem Supermarkt-Parkplatz. 
Die Verladung unserer Vorräte auf die Blue Ocean nimmt einige Zeit in Anspruch, da Arne mit dem Dinghi  mehrere Male hin- und herfahren muss.  Nachdem wir alles fachgerecht verstaut haben, stoßen auch  Moni, Michi, und Patrick aus der Schweiz zu uns. Wir scheinen anscheinend alle dieselbe Wellenlänge zu haben.  
Einer fehlt noch an Bord. Thorsten sollte eigentlich im Laufe des Abends an Bord kommen. Doch heute warten wir vergebens...


3. Tag (Sonntag,09.03)     

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Im Laufe des Morgens erfährt Arne via E-Mail, dass Thorsten aufgrund einer Verspätung seinen Anschluss-Flug in London verpasst hat. Somit arrangiert Arne für uns eine Insel-Tour mit einem Fahrer, den er schon bei einem früheren Törn kennen gelernt hat. Das Michi, Moni und Patrick schon einige Tage vor Törnbeginn nach Grenada gekommen sind und sie schon eine Insel-Expedition gemacht haben, bleiben sie heute lieber an Bord. Um 11:00 Uhr holt uns der Minibus aus der Prickley Bay ab.
Unser Tour-Guide erklärt uns währed der Fahrt alles Wissenswerte über Grenada. Wir lernen sowohl etwas über die Menschen, die hier leben, als auch über die wunderbare und abwechslungsreiche Natur. Unsere Tour führt uns vorbei an St. George (der Hauptstadt von Grenada) an der Westküste entlang, hinauf in die Vulkanberge. Wir unternehmen zu Fuß einen Abstecher in die Natur, um zum Fontaineblue-Wasserfall zu gelangen. Auf dem Weg dorthin wird uns klar, warum in der Nationalflagge Grenada's eine Muskatnuss zu sehen ist. Die engen Waldwege sind übersät mit diesem charakteristischen Gewürz. Der Weg wird immer beschwerlicher. Als wir unser Ziel erreicht haben, sind wir uns einig, dass es die Mühe Wert war. Vor unseren Augen stürzt sich das kristallklare Wasser aus enormer Höhe zu uns in die Tiefe. Mit den grünen Pflanzen drumherum und dem einfallenden Sonnenlicht ist dieser Anblick unbeschreiblich schön. Leider ist hier das Baden strickt verboten. Eine Abkühlung hätte nun wirklich nicht geschadet.
Lockeren Schrittes wandern wir wieder zurück zu unserem Mininbus.
Unser Tourgide fäht mit uns weiter durch die paradiesische Landschaft. Zwischendurch hält er immer wieder an, um uns irgendetwas probieren oder riechen zu lassen. Bei den Kakaobohnen hab ich nicht richtig zugehört. Er soll so etwas gesagt haben wie "Lutschen aber nicht beißen". Diese Information ist sehr wichtig, und man sollte sich daran halten. Beherzt beiße ich in die Kakaobohne. Mein Gesicht lässt keine Zweifel offen. Unter dem süßen Fruchtfleisch verbirgt sich ein wahrhaftig bitterer Kern. Es dauert einige Stunden, bis sich der pH-Gehalt in meinem Mund wieder neutralisiert hat.
Unsere Tour füht uns weiter Richtung Grand Etang Nationalpark. Hier lernen wir ein paar kleine Äffchen kennen, die wir bis auf Armlänge zu uns heran lassen. Unser Tourguide hat sich kurz vorher noch ein paar Bananen besorgt um die pussierlichen Tierchen anzulocken. Wir machen noch einen kleinen Spaziergang durch den Park, bevor es wieder langsam Richtung Prickley Bay geht.
Im Laufe des Abends hat dann auch Thorsten den Weg zur Blue Ocean gefunden.
Wir lassen an der Cocktail-Bar in der Bay ausklingen. Morgen stechen wir endlich in See....



4. Tag (Montag,10.03)

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Heute ist der große Tag. Nun wird sich zeigen, ob die Blue Ocean auch tatsächlich in der Lage ist, Fahrt zu machen. Nach 2,5 Tagen kribbelt es uns nun auch langsam in den Fingern.
Nachdem wir auf und unter Deck alles für's Segeln klar gemacht haben, lichten wir den Anker und Arne steuert das Schiff rückwärts an den Steg, damit wir Frischwasser aufnehmen können. 400 Liter gehen in die beiden Tanks. Wir werden bald merken, dass man damit nicht sehr weit kommt.
Unser Skipper klärt uns nun auch grob über die wichtigsten Funktionen und die Sicherheitseinrichtungen an Bord auf.
"Leinen los !" heißt das Kommando und wir steuern zunächst unter Motor aus der Bucht auf die offene See. Nachdem wir die Segel gesetzt haben, fahren wir im Halbwindkurs an der Westküste Grenada's entlang. Wir trinken unser erstes "Wir-segeln-endlich-Bier".
Der Seegang ist für erfahrene Seebären sicher angemessen, aber die "Frischlinge" unter uns tun sich zunächst schwer damit, Halt an Bord zu finden. Die Krängung ist beachtlich. Arne zeigt sich hiervon wenig beeindruckt.
Kurze Zeit nachdem wir St. George westlich passieren, sehen wir zum ersten und für diese Reise auch zum letzten Mal Delphine. Es ist wunderschön mit anzusehen, wie die eleganten und verspielten Meeressäuger vor unserem Bug herschwimmen. Doch das Schauspiel ist leider nur von kurzer Dauer. Trotzdem wird es uns immer im Gedächtnis bleiben.
Als wir die nördliche Spitze Grenada's hinter uns lassen, halten wir Kurs auf Carriacou. Die Sonne versinkt gerade im karibischen Meer, als wir zwischen Carriacou und Sandy Island den Anker werfen. Hier werden wir heute Nacht bleiben. Es ist ein traumhaftes Fleckchen Erde (bzw. Wasser). Das Anker-Bier schmeckt in dieser Idyllle einfach phantastisch.
Bevor es an's Abendessen geht, springen wir nochmal in's kristallklare warme Nass.
Es gibt ein ungeschriebens Gesetz, das besagt, dass man als Brillenträger/In die "Sehhilfe" ablegen sollte, bevor man mit den Fischen spielen geht.
Vielleicht war es die Freude auf ein lauwarmes Bad, oder einfach nur Vergesslichkeit. .
Jedenfalls missachtet Moni diese Regel - und die Bestrafung folgt auf dem Fuße. Beim Kopfsprung versinkt die Brille auf den Grund. Da es schon dämmert und die Brille zudem keinen Rahmen hat - also im Wasser nahezu unsichtbar ist - müssen wir die Suche bald abbrechen ..

5. Tag (Dienstag,11.03)   

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Noch vor dem Frühstück bewaffnet sich fast jeder von uns mit Taucherbrille und Schnorchel. Wir suchen den versunkenen Schatz. Es ist die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Unter Berücksichtigung der Strömung suchen wir auch weiter ab vom Boot. Nichts zu finden. Doch Arne gibt nicht so schnell auf - und das Unmögliche wird möglich: Er findet die Brille wieder. Jetzt kann Moni wieder sehen !!
Unser heutiger Tagestörn führt uns weiter nach Union Island. Beim Anlaufen der wahrscheinlich buntesten Insel im Umkreis von 300 Seemeilen umkreisen uns die Boat-People, und bedrängen geradezu an die Mooringtonne oder an den Steg zu gehen. Wir ankern aber lieber und setzen anschließend mit dem Dinghi über. Das Flair lädt ein zum verweilen, und wir genießen unseren Aufenthalt auf der belebten Insel.
Anschließend finden wir auch ein Internet-Cafe, in dem wir ein paar Mails an die Daheimgebliebenen schreiben. Tatsächlich kommt es uns vor, als würde der Monitor vor unseren Augen hin- und herschwanken. Wir müssen dringend wieder auf's Boot.

Weiter geht's nach der schon in Sicht befindlichen Palm Island. Die Insel ist in Privatbesitz. Hierauf befindet sich ein Hotel für Leute, die wirklich nicht mehr wissen, wo sie mit Ihrem Geld hinsollen. Die Blue Ocean geht keine 100 Meter von der Sekt- und Kaviar-Absteige vor Anker. Die Crew legt sich faul an den Strand und genießt den frühen Abend.





6. Tag (Mittwoch,12.03.)     

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Wir merken, dass das Frischwasser an Bord zuneige geht und beschließen, nochmal Union Island anzulaufen, da es in den nächsten Tagen dazu keine Gelegenheit mehr geben wird. Nebenbei füllen wir auch nochmal unseren Bier- und Weinkeller auf. (A.d.R : Vielleicht lagen damals die Prioritäten auch andersherum).

Wir segeln weiter Richtung Petit St. Vincent, wobei wir an Mopion vorbeikommen - eine Insel von ca. 30 Meter Länge und 10 Meter breite, geschmückt mit einem Sonnenschirm aus Palmenzweigen. Irgendwie ein sonderbares, aber auch idyllisches Bild.

              

Vor Petit St. Vincent gehen wir vor Anker. Auch diese 46 ha große Privatinsel ist durch eine Hotelanlage geprägt. Besonderheit bei diesem Hotel ist der Room-Service. Möchte der Gast etwas bestellen, hisst er einfach eine gelbe Flagge am Eingang seines Cottages und steckt seinen Wunsch in die daneben befindliche Briefbox. In kürzester Zeit kommt ein eifriger Bediensteter vorbei und nimmt den Auftrag entgegen. Dieser wiederum läutet nun ein Glöckchen, das sich ebenfalls am Eingang befindet und gibt dem Gast zu verstehen, dass sein Wunsch entgegengenommen wurde.
Ich erspare mir an dieser Stelle jeglichen Kommentar.

Am Strand finden wir jedenfalls ein paar Hängematten, die uns einladen, den Sonnenuntergang bequem zu genießen.
Nachdem wir uns an Bord bei einem hervoragenden Abendessen gestärkt haben, setzen wir nochmal über, um eine kleine Strandparty zu feiern.
Wir rekeln uns bei einem guten Rotwein im Sand und genießen die sternenklare lauwarme Nacht.


7. Tag (Donnerstag,13.03.)      

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Wir kommen schnell überein, dass wir heute ein Frühstück der besonderen Art zelebrieren wollen. Wir lichten den Anker und laufen unter Motor Mopion an - genau, das Inselchen mit dem Sonnenschirm. Hierbei liefern wir uns ein kleines Rennen mit einer parallel fahrenden Yacht, die anscheinend das gleiche Ziel hat. Da unter dem Sonnenschirm aber nicht Platz für zwei Crews ist, beschleunigt Arne noch ein bisschen mehr. Weil Mopion von felsigen Untiefen umgeben ist, müssen wir in einen recht grossen Abstand ankern. Auch das Übersetzen mit dem Dinghi erfordert viel Geschick und Vorsicht, damit das Beiboot nicht von den scharfen Steinen im Wasser aufgeschlitzt wird. Wir nehmen alles aus der Bordküche mit, was zu einem anständigen Insel-Frühstück dazugehört, auf Pancakes müssen wir heute allerdings verzichten.

Während wir genüsslich unseren Kaffee schlürfen, genießen wir das Gefühl, auf "unserer" kleinen Insel zu sitzen und auf's weite Meer zu schauen, auf dem im gebührenden Abstand einige Segelyachten an uns vorbeiziehen.
Aber auch das schönste Frühstück geht einmal zu Ende.
Erneut (der eifrige Leser kommt auf das dritte Mal) laufen wir Union Island an. Die Begründung hierfür möchte ich der Öffentlichkeit ersparen...
Wir bleiben nur kurz auf der uns schon sehr vertrauten Insel.
Unser heutiges Ziel sind die Tobago Cays. Der Reiseführer sollte uns von diesem Paradies nicht zu viel versprochen haben.
Wir finden ein nettes Plätzchen zum Ankern vor dem Horseshoe-Riff, das uns vor dem rauen Antlantik schützt.
Wieder werden wir von hiesigen Boat-People "begrüßt". Doch wir wollen keine Bananen, keinen Schmuck, kein Brot und auch kein in Aquarell gemaltes Portrait.
Jean-Claude taucht längsseits auf. Patrick begrüßt ihn mit einem herzlichen "Respect, Man" und "Cool, Man". Die beiden funken anscheinend auf derselben Frequenz. Hätte Patrick dunkle Haut und Dreadlocks, könnte man sie nicht auseinanderhalten. Der absolute Bilderbuch-Rastafari hat schon für eine von unseren Vorgänger-Crews frischen Lobbster gefangen und am Strand zubereitet. Arne hat uns während der Fahrt hierhin schon den Mund wässrig gemacht. Leider kommen wir nicht in den Genuss, da es mit dem Fang heute schlecht aussieht. Die Entäuschung ist zwar groß aber verschmerzbar.
Da das Horseshoe-Riff ein bekanntes Schnorchel-Paradies ist, lassen wir es uns nicht nehmen, uns mit ABC-Ausrüstung und T-Shirt (wichtig bei längeren Aufenthalten im Wasser wg. Sonnenbrandgefahr) zu verkleiden und die Unterwasser-Welt zu erkunden.

Tatsächlich habe zumindest ich etwas vergleichbares noch nicht gesehen. Obwohl die Korallen leider schon abgestorben sind, offenbart sich uns ein phantastischer Anblick, von dem man gar nicht genug bekommen kann. Fischschwärme verschiedenster Art und in allen erdenklichen Farben schwimmen vor uns her. Die Sonne, die in das flache klare Wasser eindringt, vertärkt die Farbgebung. Wir vergessen völlig die Zeit. Kleine Riff-Haie, die es hier wohl auch geben soll, haben wir leider nicht gesehen.
Wir lassen den Tag bei Carib- Bier, Rotwein und Gitarrenklängen (Patrick ist ein begnadeter Musikant) ausklingen.

8. Tag (Freitag,14.03.)     

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Das Frühstück ist wie immer reichhaltig und lecker. Überhaupt sei an dieser Stelle mal erwähnt, dass wir in unserer Bordküche, deren internationale Köche täglich wechseln, wahrlich Mesiterhaftes vollbringen. Alle, die schon mal auf einer Segelyacht gekocht haben, wissen, dass es eine Herausforderung ist und einiges an Disziplin verlangt, für neun Leute, deren Geschmäcker zum Teil recht unterschiedlich sind, ein ausgewogenes Mal zuzubereiten. Und man kann wirklich sagem , dass es uns gelungen ist, nicht einach nur satt zu werden, sondern zudem auch noch kulinarische Wunderwerke zu vollbringen.
Wir verlassen die Tobago Cays und nehemn Kurs auf die wohl exklusivste Insel der südlichen Karibik - Mustique (ausgesprochen: Mus-Tiik). Wer sich in der Welt der Stars und Prominenz auskennt, weiss, dass hier u.a. Prinzessin Margret, Mick Jagger und David Bowie ihre Urlaubsvillen gebaut haben. Einen Teil diese Prominenten-Villen kan man sogar mieten. Die Preisspanne liegt dabei zwischen 2.500 und 15.000 US$ pro Woche !!!! Ein wahres Schäppchen ...
In der Britania Bay suchen wir uns ein Mooringtonne zum Festmachen. Das Ziel unserer Begierde haben wir schon in Sichtweite - Basil's Bar, das anscheined bekannteste Restaurant der Grenadinen. Der Hummer hier soll der Beste in der ganzen Karibk sein. Uns reichen aber zunächst erst mal ein paar anständige Cocktails. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben steht der P.C. (Rezept).

Wir genießen unseren letzten Coctail in Basil's Bar während die Sonne vor unseren Augen im Meer versinkt. Als dieses Schauspiel zu Ende ist, machen wir uns wieder auf den Weg zu Blue Ocean. Da uns die Hummer-Preise bei Basil doch etwas zu hoch erschienen, kochen wir lieber selber.
Wir sitzen noch lange an Deck, erzählen und singen, bevor er achte Tage zu Ende geht.

9. Tag (Samstag,15.03.)    

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Nachdem wir gefrühstückt und unsere Liegegebühren beim Hafenmeister bezahlt haben, machen wir uns auf den Weg nach Bequia, der größten Insel der Grenadinen. Auf dem Weg dorthin fahren wir noch ein paar "Mann-über-Bord"-Manöver - natürlich nur zur Übung. Ist wahrhaftig nicht so einfach, so eine große Yacht bei dem Wind und dem Seegang punktgenau in den Wind zu legen. Wäre dies eine Prüfungsfahrt gewesen, so wäre zumindest ich gnadenlos durchgefallen, und der arme Kerl im Wasser längst ersoffen.
Wir laufen Bequia von Süden her an und nehmen zuächst Kurs auf die Friendship Bay. Hier ankern wir, um uns im Bequia Beach Club bei Bier und Cola zu erfischen. Stefan,Michi, Patrick,Thorsten, Moni und ich verzichten auf die bequeme Fahrt mit dem Dinghi zum Strand und springen kurzerhand in's Wasser. Man kann sich gar nicht vorstellen, zu welchen schwimmtechnischen Höchstformen man aufläuft, wenn am Ufer ein kühles Bier wartet.
Wir verweilen einige Zeit in dieser malerischen Bucht, und dösen ein bisschen am Strand.

Die Blue Ocean umsegelt die südliche Spitze von Bequia, um dann Port Elizabeth, dem Hauptort der Insel, in der Admirality Bay vor Anker zu gehen. Für die Historiker unter Euch: 1936 bekam der Hafen den Namen zu Ehren der bitischen Prinzessin, die ihn 1985 zum ersten Mal besuchte. Sie pflanzte dabei zusammen mit Prinz Phillipp zwei Flamboyantbäume in den Garten am Jetty. Nuja, wen's interesiiert ....
Wir interessieren uns mehr für das wirklich einladende karibische Flair der Hafenpromenade. Abends machen wir es uns in einem guten Fischrestaurant gemütlich. Endlich gibt's den weltberühmten frischen Lobster. Zusätzlich bestellen wir uns noch ein paar Fischplatten. Es wird ein hervoragendes 3-Gänge-Menü. Dazu gibt's leckern Rotwein. Warum sagt, man eigentlich "Leben wie Gott in Frankreich ..." ? Was will er ausgerechnet in Frankreich ? Kennt er denn die Karibik nicht ??
Nach dem opulenten Mahl schlürfen wir noch ein paar Cocktails in so einer Art Segler-Bar. Natürlich gibt's PC und Banana Cow.
(- Rezept -).

Wieder geht ein langer karibischer Abend zu Ende ... .


10. Tag (Sonntag,16.03.)   

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Dies wird ein richtig "fauler Tag". Wir kommen überein, der Blue Ocean und uns heute mal eine Pause zu gönnen. Trotzdem wollen wir zunächst unsere Vorräte etwas aufstocken. Die Einkaufsliste wird länger als erwartet. Da auch die Karibik stark christlich geprägt ist, haben heute nur zwei winzig kleine Läden in Port Elizabeth offen. Es gibt längst nicht alles, was auf der Liste steht, und das was wir bekommen können, ist doch recht teuer. Wir beschränken uns auf eine Palette Bier, ein paar Flaschen Wein und ein paar andere Lebensmittel.
Wir kommen an einer Kirche vorbei, in der gerade ein Gottedienst abgehalten wird. Wieder mal muss ich feststellen, dass wir mit unserem europäischen Christentum wirklich geisteskrank sein müssen, dass uns zu den Worten "Lobet, feiert und preiset den Herrn" nichts anderes einfällt, als uns sonntags wie eine Schafherde in eine dunkle muffige Kirche zu begeben und uns einem meist inhaltslosen traurigem Singsang unterziehen, der uns eher Angst aufdrückt, als uns die Herzen öffnet. Ganz im Gegensatz zu uns feiert die karibische Gemeinde im Gottesdienst ein wahrlichses Fest mit lauten und fröhlichen Liedern, sowie mit nachdenklich anmutenden Reden und Predigten in einem von allen Seiten lichtdurchfltendem Haus. Alle haben sich zur Feier des Tages ihr schönstes Kleid oder ihren schönsten Anzug angezogen. Beeindruckt und auch ein bisschen beschämt sehen dem bunten Treiben ein Weile zu, bevor wir uns mit unserem schweren Gepäck wieder zur Blue Ocean begeben.
Den Rest des Tages verbringen wir mit Faulenzen am Strand, wo heute auch sehr viel Einheimische antztreffen sind.
Nachdem wir an Bord unterm Sternenzelt zu Abend gegessen haben, setzen wir zielstrebig zur Cocktail-Bar über.


11. Tag (Montag,17.03.)  

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Heute segeln wir nach St. Vincent.
Wir nehmen Kurs auf die Cumberland Bay. Schon weit draussen vor der Bucht kreisen die Boat-People, um uns beim Ankern und Festmachen behilflich zu sein.

Wir wimmeln erst ein paar von ihnen ab, bevor wir auf einen Mann treffen, der in Badehose und T-Shirt auf einem alten Surfbrett umherdümpelt. Arne kennt in als Dundee Man. Wir nehmen ihn in Schlepp. Das Anker-Manöver fordert wieder mal Arne's ganzes Können. Wir fahren rückwärts zwischen zwei Yachten die keine 20 Meter vom Strand festgemacht haben. Während Arne kontolliert, ob der Anker fest sitzt, nimmt Dundee eine unserer Heckleinen um uns wie alle anderen Boote an einer Palme festzumachen, die recht stabil aussieht. Für die zweite Heckleine wählt er eine Palme, bei der wir uns nicht sicher sind, ob die Palme die Leine oder die Leine Palme hält. Wird schon gut gehen.


Wir verabreden uns mit Dundee in einer Stunde an der Straße, um eine Inseltour zu machen.
Tatsächlich taucht auch irgendwann ein weißer Daihatsu-Minibus auf. An dieser Stelle mal was für die Auto-Fans unter Euch:
Ein Minibus steht bei jedem karibischen Mann ganz oben auf der Wunschliste. Während wir in unseren Gefilden einen BMW oder einen Mercedes als "Statussysmbol" anstreben, bevorzugt der Durchschnitts-Rastafari eben einen Minibus. Dieser zeichnet sich hauptsächlich aus durch eine tiefergelegte Karosserie, "Flat Tires" und einer Beschallungsanlage, die der der Rolling Stones in nichts nachsteht. "Sicherheitseinrichtungen" und sonstiger überflüssiger Schnickschnack würden in einem solchen Gefäht eher störend wirken. "Hauptsache es grooved !"

Mit dem Fahrer, einem Bekannten von Dundee als Reisebegleiter und Dundee himslef, sowie mit uns 8 CreW-Mitgliedern sind wir nun zu elf Leuten in dem Fahrzeug.
Mit lauter Reggea-Musik und einem starken Gottvertrauen quält sich der japanische Bus hoch in die Vulkanberge. Auch St. Vincent ist von der Vegetation her ebenso abwechslungsreich und schön wie die von Grenada.Während wir die Hauptadt Kingstown links liegen lassen, fahren durch viele kleine Dörfer. Es ist Nachmittag und die Straßen sind belebt von Schulkindern, die alle Schuluniformen tragen. Ansonsten gehen viele Menschen schon dem nach, was sie in ihrem eigenen Slang als "Liming" bezeichnen - süßes Nichtstun. Sie stehen oder sitzen vor ihren Häusern, alleine oder in Gesellschaft und schauen zu, wie ein Kleinbus mit acht Europäern und deren Reisführern an ihnen vorbeirauscht. Was mögen sie wohl über uns denken ?
Unser Ziel sind die Trinity Falls. Wir erreichen
einen Punkt, ab dem es nur noch zu Fuß weitergeht. Da es schon später Nachmittag ist und die Sonne in Äquatornähe bekanntermaßen bereits um 18:00 in den Ozean fällt, geben uns unsere Tourguides klar zu verstehen, dass wir uns beeilen müssen, um nachher nicht im Dunklen den Weg durch den Wald zu bestreiten.

Was nun folgt, soll sich als der Höhepunkt meiner sportlichen Karriere herausstellen. In einer Mischung zwischen Walking und Jogging eilen wir über unwegsame Pfade Richtung Wasserfall. Das Tempo ist enorm un die Luft warm und feucht.
Mit der Gefahr, dass die nun beschriebene Sitaution völlig irrsinnig klingt und ich meine Glaubwürdigkeit auf's Spiel setze, muss ich es dennoch berichten : Plötzlich raschelt etwas neben mir im Gebüsch, es folgt ein aufgeregtes Zwitschern, und im nächsten Augenblick spüre ich einen dumpfen Schmerz auf meinem rechten Auge. Ein kurzer Schrei. Mir ist tatsächlich ein Vogel in's Auge geflogen !!! Der Täter kann unerkannt fliehen - die Ermittlungen sind zum heutigen Zeitpunkt wahrscheinlich schon eingestellt.

Mein Auge brennt höllisch, aber es scheint nichts ernsthaftes zu sein - wahrscheinlich nur stark gereizt. Ich werd's wohl überleben. Ab jetzt setze ich die Sonnenbrille nicht mehr ab.
Endlich erreichen wir die Wasserfälle. Der Weg hat sich gelohnt. Es ist ein traumhafter Anblick. Unterhalb des Wasserfalls befindet sich ein kleiner 'Pool'. Da hier das Baden nicht verboten ist, hält uns nichts davon ab, in das kühle Nass zu springen. Herrlich erfrischend ! Auch Dundee Man lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen. Eine kleine Pause noch und schon treten wir den Rückweg an, wobei wir die Geschwindigkeit noch etwas erhöhen. Wir erreichen den Minibus und fahren wieder zurück Richtung Cumberland Bay.


Zum Abendessen hat ein Verwandter von Dundee, der ein winziges Lokal in der Bucht betreibt, für uns den "Catch of the day" - in dem Fall war es Baracuda - zubereitet. Ein paar Beilagen dazu- fertig. Einfach, aber superlecker und echt günstig. Der elfte Tag geht zu Ende.

12. Tag (Dienstag,18.03.)    

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Heute schon werden wir die Letzte Insel unseres Törns anfahren - St. Lucia. Sie ist die zweitgrößte der Windward-Inseln. Für die Geographen unter den Lesern: 14. Breitengrad nördlich des Äquators, 61. Längengrad westlich von Greewich.
Schon von Weitem nehmen wir die Siluetten der Piton-Zwillingsberge wahr. Da wir zwischen den beiden Bergen vor Anker gehen wollen, nehmen wir geradewegs hierauf Kurs.
Auch hier werden wir schon weit vor der Bucht 'in Empfang' genommen. Ein Mann, der uns alle sehr an 'Bud Spencer' erinnert kommt mit seinem 70 PS starken rosa(!) Boot - wahlweise auch Wassertaxi - mitschiffs und redet auf uns ein - zunächst freundlich.

Während er neben uns her fährt, ändert sich seine Laune. Es ist mir heute nicht mehr ganz klar worüber und unser Skipper diskutiert haben. Nur soviel ist klar: er will was von uns, aber wir nichts von ihm. Die Diskussion von Boot zu Boot setzt sich über die reichen Touristen aus Europa fort. Nunja, sein ansehnlicher Bauch, für den sein 70 PS-starkes Boot etwas untermotorisiert wirkt, vermittelt nicht gerade den Anschein von Armut. Trotzdem macht Arne mit ihm eine Uhrzeit aus, zu der er ihn nach Sufriere bringen soll. Er muss zur Rodney Bay, um dort die Blue Planet, das Schwesterschiff der Blue Ocean einer neuen Crew mit Skipper zu übergeben. Wir verbreden uns ebenfalls mit einem weiteren Wassettaxi zum Mannschaftstransport nach Sufriere.

Wir wollen dort ein bisschen einkaufen. Das Wassertaxi bringt uns nach Sufriere. Dabei fahren wir dicht am Fuße der Pitons vorbei. Ein Blick nach oben lässt uns dabei erkennen, wie klein wir doch sind. In Sufriere angekommen erledigen wir unsere 'Bankgeschäfte' und stürzen uns in's Einkaufsvergnügen. Da wir noch eine Stunde haben, bis uns das Wassertaxi wieder abholt, machen wir's uns in einer Art Kunstgalerie mit Ausschank gemütlich. Hier bekommen wir unser erstes Piton-Bier. Dieses nach den beiden Wahrzeichen der Insel benannte Getränk könnte sich zu einem echten Exportschlager entwickeln ... Wir lassen uns wieder zur Blue Ocean bringen.
Den Rest des Nachmittages verbringen wir mit Faulenzen, Schwimmen, Lesen, Kochen, usw.. Wir sind gerade beim Abendessen, da hören wir von weitem das Herannahen eines Motorbootes. Wir erkennen sofort "Bud Spencers" Siluette. Arne's vom Sonnenbrand gepeinigte Nase leuchtet in der Ferne wie eine Backbordlaterne. Was er uns zu erzählen hat, ist so unglaublich, dass ich es hier einfach niederschreiben muss:

Die Crew, die er auf der "Blue Planet" in Empfang nehmen sollte bestand aus
6 Mitseglern und dem Skipper - sein Vater. Da war die Überraschung und die Wiedersehensfreude naturlich riesig. Damit konnte nun wirklich niemand rechnen. Denn Arne's Vater ist bisher noch nie für den Skipperservice gesegelt, und niemand hat Arne gesagt, dass es sein eigener Vater ist, dem er da die Yacht übergeben sollte.
Wir freuen uns mit ihm und stoßen zusammen mit unserer neuen Errungenschaft an - dem Piton-Bier.


Die Nacht ist längst hereingebrochen, wir schauen an der dunklen Wand der Pitons empor und erblicken den traumhaft klaren Sternenhimmel.


13. Tag (Mittwoch,19.03.)     

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Heute segeln wir in die weltberühmte Marigot Bay. Als wir auf hablber Strecke zwischen unserem Ziel und den Pitons sind, sehen wir in der Ferne etwas Silbernes auf dem Wasser glitzern. Der Blick durch's Fernglas verrät uns, dass es sich hierbei um einen riesigen Schwarm von Tunfischen handelt. In der Nähe entdecken wir auch
ein kleines Fischerboot, das auf dem Weg dorthin ist. Es wird Zeit, einmal die Hochseeangel zu testen. Wir versuchen unter Motor und Segel den Fischschwarm mit ausgelassener Angel zu umkreisen - sehr zum Ärgerniss des Fischers der hier versucht, seine Fangnetze auszubringen.
Nach einiger Zeit steht fest, dass es heute Abend keinen Fisch gibt. Die Angel wird wieder eingeholt.
Wir sind auf der Höhe der Marigot Bay. Diese Bucht ist nicht nur bekannt aus verschiedenen Szenen im Film "Dr. Doolittle", sondern sie ist vor allem eine Bucht, wie man sie sich auf einer Postkarte aus der Karibik vorstellt. Einfach malerisch ! Von See aus ist sie kaum auszumachen, da sie von einer kleinen Halbinsel verdeckt wird.
Beim Einalaufen treffen wir auf unser Schwesterschiff, die "Blue Planet". Arnes's Vater sucht gerade nach einem geeigneten Ankerplatz. Wir wollen weiter in die Bucht hineien, und schlagen vor, dass wir dann nebeienander festmachen könnten. Arnes's Vater stimmt zu. Doch er hat die Rechnung ohne seine Crew gemacht. Die wollen von dieser Idee nichts wissen. Entweder handelt es sich um so eine Art Generationsproblem (die Crew der "Blue Planet" ist im Schnitt 30 Jahre Älter als wir), oder es handelt sich hierbei um handfeste Hinweise auf den
Ausbruch einer Meuterei. Nunja, wir lassen uns durch die Seniorencrew nicht beirren und nehmen Kurs auf den weiter hintenliegenden Teil der Bucht.

Die Idylle, die wir hier vorfinden, wird etwas getrübt durch die uns belagernden Boat People und durch die Crew einer Yacht, die uns laut grölend und sturzbesoffen begrüßt. Es sind Deutsche. Da auch wir unter deutscher Flagge laufen, treibt es uns die Schamesröte in's Gesicht. Wir versuchen so weit wie möglich Abstand von diesem Schiff zu halten - zum einen, weil wir um unseren Schlaf bangen und zum anderen befürchten wir, dass sich diese Trinker nachts über unsere Biervorräte hermachen könnten. Man weiß ja nie...
Nachdem uns alle Boat People in der Marigot mindestens einmal belagert haben, leren wir auch Kieran Sonny kennen. Er hat sich nicht nur auf den Verkauf von Boot zu Boot spezialisiert, sondern ist auch Betreiber eines kleinen Taxi-Unternehmens, dessen einziger Angestellter er selber ist. Auch er macht mit seinem Minibus geführte Touren über die Insel. Wir vereinbaren für Morgen einen Termin, zu dem er uns abholen soll.

Wir stellen fest, dass trotz Einkaüfe am Vortag das Trinkwasser ein bisschen Knapp bemessen ist. Somit wandern Stefan, Patrick, Michi und ich klettern den steilen Berg am Ende der Bucht empor, auf dessen "Gipfel" sich ein kleiner Shop befindet. Während die beiden Schweizer lockeren Schrittes bergauf eilen, als würden sie das jeden Tag tun, ringe ich schon wieder nach Sauerstoff. Von oben bietet sich uns ein traumhafter Ausblick über die Marigot Bay in richtung Karibisches Meer, das sich schon auf den Sonnenuntegang vorbereitet.
Genauso unglaublich wie dieses Panorama ist der Preis für das Wasser hier oben. Nunja, was soll's.
Der Rest des Abends gestaltet sich ähnlich wie sonst auch.


14. Tag (Donnerstag,20.03.)    

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  Im Laufe des Morgens beschließen Nadine und Stefan von Bord zu gehen. Sie wollen ihre letzten Urlaubstage hier in einem Hotel in der Marigot Bay in trauter Zweisamkeit verbringen. Irgendwie Schade, aber wir können es nachvollziehen. Ein herzlicher Abschied, und Arne bringt die beiden an Land.
Eigentlich hatten wir uns heute Morgen mit Kieran zur Inseltour verabredet, aber er scheint uns vergessen zu haben. Er ist nirgends zu erblicken. Somit beschließen wir, heute einen Abstecher nach Castries, St. Lucias Hauptstadt, zu machen. Die Fahrt ist so kurz, dass es sich dafür nicht lohnt, die Segel zu setzen.
Wir machen im Hafen fest und erkunden die nähere Umgebung. Wir streifen durch die Markthallen im Hafen, in denen es hauptsächlich Souveniers (T-Shirts, Kitsch, usw.) für die Kreuzfahrt-Touristen gibt. Anschließend füllen wir in einem Supermarkt nochmal ein bisschen unsere Vorräte auf. Irgendwie will niemand von uns hier länger als nötig bleiben. Uns zieht es wieder in die gemütliche Marigot Bay. Hier verbringen wir den Rest des Tages und den Abend.

15. Tag (Freitag,21.03.)   

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An unserem vorletzten Tag werden nun einen Teil von St. Lucia mit dem Bus erkunden. Kieran holt uns morgens nach dem Frühstück ab und wir verlassen die Marigot-Bay mit seinen Minibus. Als musiklaische Untermalung gibt es heute U2, zu der Kieran kräftig mitsingt. Auf dem Weg in die Berge hält er einen Bekannten an, der gerade mit seiner Schubkarre Kokosnüsse transportiert. Wir kaufen ihm ein paar ab und probieren. Da die Nüsse noch sehr frisch sind, ist der Fruchtfleisch eher von schleimiger Konsitenz. Ich kann mich nicht überwinden. Weiter geht's. Wir machen halt und Kieran zeigt uns sien Geschick im Flechten. Er schneidet ein paar Schilfblätter ab und macht daraus Giraffen, Fische und sonstiges Getier.
Ist schon beeindruckend. Wir steigen samt Schilftiere wieder in den Mitsubishi und folgen der kurvenreichen und engen Straße weiter in die Berge.
Es erfordert schon ein gewisses fahrerisches Können und eine gute Portion Gottvertrauen, um auf der Straße zu bleiben, ohne den Abhang hinunter zu stürzen. Ein Gedanke schießt mir durch den Kopf: "Was machen die hier wohl im Winter ? Haben die dann einen Räumdienst ? Und wie ist das mit Winterreifen ?" Aber dann fällt mir ein, dass wir ja in der Karibik und nicht im Kanton Uri sind.
Wir machen eine Pause an einer kleinen Bäckerei am Straßenrand. Hier gibt es etwas ganz Besonderes : Manjok-Brot - in verschiedenen Geschmacksrichtungen: Nuss, Fisch, Zimt, ..... Wir decken uns ein bisschen ein - für den Hunger zwischendurch. Das Brot ist echt lecker und macht unheimlich satt.
Wir nehmen Kurs auf
Unser nächstes Ziel ist ein kleiner botanischer Garten. Hier bekommt man in konzentrierter Form alle möglichen Pflanzen zu sehen, die St. Lucia zu bieten hat. Es ist ein kleines Paradies - gespickt mit einem Wasserfall, an dem wir uns erfrischen können.
Was jetzt kommt, wird uns ganz gewaltig stinken. Wir nehmen Kurs auf den Vukankrater. Wir können mit dem Minibus direkt in den Krater fahren. Tatsächlich wird er im Volksmund als "Drive-in-Krater" bezeichnet. Nachdem sich eine Führerin zu uns gesellt hat, fahren wir durch eine mondähnliche Landschaft. Überall brodeln und blubbern die Schlammlöcher und stoßen stinkenden gelben Dampf aus.
Uns ist der Apetit aber nicht vergangen. Kieran hat für uns irgendwo bei einer Bekannten ein Lunch arrangiert. Wir fahren eine recht abgelegene Straße entlang und kommen zu einer Art Restaurant, wo schon für uns eingedeckt ist. Es gibt Fisch, Huhn, Salat, Reis usw. Einfach, aber äußerst lecker.
So gestärkt treten wir langsam wieder die Rückreise Richtung Marigot-Bay an und lassen noch einmal die fantastische Landschaft von St. Lucia an uns vorüber ziehen.
Angekommen in der Marigot-Bay machen wir die Blue Ocean klar zum Auslaufen. Wir wollen (müssen) heute Abend noch unser letztes Ziel, die Rodney Bay erreichen. Nahe an der Rodney Bay liegt ein verschlafener Ort namens Gros Islet. Hier findet jeden Freitag das berühmte "Jump up" - ein Straßenfest mit Tanz, Musik, viel Rum und kleinen Essbuden - statt. Die Fahrt zur Rodney Bay dauert nicht länger als 2 Stunden, und wir erreichen sie im Sonnenuntergang. Bei der Einfahrt in die Rodney Bay Marina macht sich eine Art Ernüchterung in uns breit. Sie ist mit ihren 1000 Ankerplätzen die größte Marina in der Karibik. Sie hat nichts mit den idyllischen Plätzchen, an denen wir die letzten 14 Tage und Nächte zugebracht haben, gemeinsam.

Nunja, wir suchen uns jedenfalls irgendwo einen Ankerplatz und machen uns klar zum Landgang.
Bis nach Gros Islet ist es ein strammer Fußmarsch. Unser erster Eindruck von dem Ort ist eher beängstigend, als dass er uns in Partylaune versetzen könnte. Dunkle Gassen, verfallene Häuser, dunkle Gestalten (ich meine nicht die Hautfarbe). Auf einer Straße sind Buden mit Getränken und Grills aufgebaut. Der Duft von frisch gegrilltem Fisch und Fleisch dringt uns in die Nase. Am Ende der Straße befindet sich eine Art Tanzfläche, die wiederum von einer haushohen Boxenwand beschallt wird. Reggea dröhnt aus den Lautsprechern. Ein paar Rastas tanzen wie in Trance zu der Musik. Irgendjemand versucht mir ein Tütchen weißen Inhalts in die Hand zu drücken. Ich nehme nicht an, dass es Puderzucker ist.
Wir laufen ein paar mal die Straße auf und ab, trinken dabei das eine oder andere Bier oder auch Rumpunch und kommen schließlich überein, dass es Zeit ist, zu gehen.
Wir setzen über zu Blue Ocean und verkriechen uns nach und nach in die Kojen.
Unsere letzte Nacht auf dem Schiff.

16. Tag (Samstag,22.03.) 

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Nun heißt es, den Seesack packen und klar Schiff zu machen. Ich möchte den Wehmut, den die Crew in sich trägt nicht zu ausführlich beschreiben. Nur soviel sei gesagt - der Schritt an Land ist ein sehr schwerer. Während Thorsten schon heute den Heimflug antritt, bleiben Moni, Michi und Patrick noch bis Montag Sie werden dann zusammen mit Nadine und Stefan den Rückflug antreten. Katja und ich werden noch bis einschliesslich Mittwoch auf St. Lucia bleiben. Heute Nachmittag kommt schon die nächste Crew. Werden sie auch so viel Spaß haben wie wir ? Wir werden es wohl nie erfahren.

Alles in allem kann man wirklich sagen, dass es ein gelungener und sehr schöner Urlaub war, der zu einer Wiederholungstat einlädt. Wahrscheinlich aber nicht so bald, denn es gibt noch viele andere schöne Gebiete auf der ganzen Welt, die wir kennenlernen und beseglen wollen ...

Nachwort      <zur Übersicht>

Wie eingangs schon erwänht, ist es wirklich schwer, einen solchen Urlaub in Worte zu fassen. Andersherum habe ich vielleicht manches zu ausführlich und zu langwierig beschildert - viele Dinge hab' vielleicht gar nicht erwähnt. Sicher ist, dass vor Lauter Schwärmerei meine Phantasie nicht mit mir durchgegangen ist. Jeder von uns hat all die beschriebenen Ereignisse sicher ein wenig anders erlebt und für sich bewertet. Tatsache ist aber, dass wir alle sowohl menschlich als auch technisch viel dazugelernt haben. Bewußt habe ich auf technische und seemännische Daten und Details verzichtet. Es ging bei diesem Törn auch gar nicht darum, innerhalb von zwei Wochen soviele Meilen wie möglich zu segeln, sondern vielmehr darum, etwas zu sehen und zu erleben, oder einfach nur die Seele baumeln zu lassen.
Die Reise in und durch eine andere Kultur stellt uns wieder mal vor die Frage, was wir als "reiche" und immer nach Neuem strebende Industrienation wirklich unter Leben verstehen. Ganz provokativ frage ich, ob wir in unserer durch Konsumgier und Egoismus geprägten Gesellschaft vielleicht mittlerweile den Blick für's Wesentliche verloren haben. Wir mögen Menschen, wie die, denen wir hier auf der andern Seite der Welt begegnet sind, für arm und "rückschrittig" halten. Sind aber nicht wir es, die vor lauter "Fortschritt" schon gar nicht mehr die einfachen und schönen Dinge erkennen, die das Leben so lebenswert machen ? Die Einwohner der Karibik erkennen sie jedenfalls und wissen, sie zu schätzen.